Cecilie erwachte , und sie fühlte sich wie gerädert. Draussen war es so hell und klar , wie nur ein weihnachtstag sein kann. Sie hatte bloss eine vage Erinnerung an ihre nächtlichen Ausschweifungen. Ariel hatte sie ins Wohnzimmer hinuntergetragen . Und als der Wecker im Schlafzimmer ihrer Eltern klingelte, hat er sie wieder nachn oben gebracht.
*ariel?*,flüsterte sie. Doch sie bekam keine Antwort. Vielleicht kam er ja nur nachts. Sie griff zur Glocke auf dem Nachttisch und klingelte. Ihre Mutter kam so schnell wie ariel die lichter am weihnachtsbaum eingeschaltet hatte. Auch sie kam Cecilie fast vor wie ein Geist aus der Lampe.
"jetzt bist du also endlich wach" Cecilies Mutter kniete vor dem Bett.
"es ist fast eins, hast du die ganze zeit geschlafen?" Cecilie schüttelte den Kopf.
"und was hast du gemacht?"
"ich habe einfach nur zugehört, in einem haus gibt es auch nachts geräusche, wenn man bloss genügend die ohren spitzt. manchmal kann ich auch hören wie es draussen schneit."
"und was hast du gesehen?"
"es kommt so ein schönes licht durchs fenster"
"du hättest doch einfach klingeln können"
"ich habe über alles mögliche nachgedacht"
"hattest du denn schmerzen?"
"nein, jetzt vielleicht ein bisschen"
"und wie fühlen sie sich an?"
"fängst du auch schon damit an" "womit?"
"ach nichts, ich bin schrecklich schlapp"
"als ich um sieben bei dir reingeschaut hab , schliefst du jedenfalls wie ein stein."
"steine schlafen nicht,mama"
"und du hast im schlaf gelächelt"
"steine können auch nicht lächeln...ausserdem als du hier warst war ich gerade eingeschlafen."
"glaubst du wirklich?"
"ich habe den wecker klingeln hören"
CEcilies Mutter legte ihr eine Hand auf ihre Stirn.
"Kristine ist da . Sie sitzt unten im Wohnzimmer."
"schick sie doch einfach hoch , ich habe keine angst mehr vor spritzen."
"erst müssen wir wohl ins badezimmer"
"aber, mama..."
"ja?"
"kann kristine mir nicht einfach die spritze geben,und fertig?"
"ja, sicher"
"sie redet immer so viel darüber, wie es mir geht und wie alles heisst und so. und ich habe das alles so satt.es ist doch der erste weihnachtstag."
"aber vielleicht muss sie dich ein bisschen untersuchen"
"du musst dabei sein, und wenn sie anfängt mich zu trösten oder grosse worte zu machen setzt du sie vor die tür. versprich mir das ! ich weiss ja doch nicht was ich ihr antworten soll."
"ich wills versuchen"
"und mama, ich werde ganz bestimmt wieder gesund, ich verspreche es dir."
"ja das wirst du"
"aber nur ich darf sagen dass ich wieder gesund werde, wenn ihr das sagt habe ich das gefühl ihr wollt mich quälen"
"scherzkeks"
Cecilie blickte auf. "du weinst doch nicht etwa?"
mama wischte sich die Augen. "nein, das nicht..."
"du hast jedenfalls tränen in den augen"
"ach, ich hab vorhin bloss zwiebeln geschnitten"
"schon wieder?"
Nachdem Cecilie ihre Medikamente bekommen hatte, besuchte die ganze Familie sie der Reihe nach. Cecilies Vater brachte eine neue Nummer der "illustierten Wissenschaft".Er hatte ihr schon einen ganzen stapel davon geschenkt.
Grossvater wollte über die Ferien auf Kreta sprechen. Sie waren allesamt dortgewesen, auch oma und opa. Damals hatten sie gerade erfahren dass Cecilie krank war. Sie war schon zum ersten Arzt gegangen. Es war ein Traumurlaub , da waren sich alle einig. die Traumreise nach Kreta hatte im September stattgefunden, so lange war cecilie schon nicht mehr gesund. Aber sie war bis Anfang November zur Schule gegangen. danach hatte sie einige wochen im Krankenhaus gelegen.
Als letzte setzte sich grossmutter zu ihr . Schon als Cecilie noch ganz klein gewesen war, hatte Grossmutter ihr Geschichten erzählt.Aber das waren niemals die normalen Märchen gewesen. Sie erzählte von den alten Göttern. Heute erzählte sie über Odins Raben.
die hießen Hungin und Munin und konnten durch die ganze Welt fliegen , um alles im Auge zu haben. Hungin bedeutet Gedanke und Munin bedeutet Sinn. Abends kehrten die beiden zu Odin zurück und erzählten ihm was sie gesehen haben. Auf diese Weise wusste Odin über alle Ereignisse in der Welt Bescheid.Aber er hatte auch Angst, sie könnten eines Tages nicht mehr zurückkommen.
Die raben waren ausserdem Aasvögel die Odin halfen ,Tote aufzuspüren.Odin sass in Asgard auf einem Hochsitz namens Lidskjalv.Er war nicht nur der weiseste unter den Göttern. Er war auch der schwermütigste denn nur Odin wusste von der Götterdämmerung,dem grossen Untergang der näherrückte.
Grossmutter erzählte sehr viel von Odin und seinen Raben. Später schlief cecilie ein. zuerst döste sie eine Weile vor sich hin, dann kam der richtige Schlaf. Als sie aufwachte hörte sie dass die anderen unten beim Abendbrot saßen .
Cecilie zog ihr chinesisches Notizbuch unter dem Bett hervor. Vor einigen Wochen hatte sie von Großmutter eine wunderschöne Perlenkette bekommen, ein altes Erbstück. Damals hatte sie in ihr Tagebuch geschrieben :
wenn ich sterbe reißt eine silberschnur mit glatten perlen die durch das land rollen und zu den muschelmüttern auf den meeresgrund zurückkehren. wer wird nach meinen perlen tauchen wenn ich nicht mehr da bin? wer wird wissen dass sie mir gehört haben? wer wird erraten können dass einmal die welt um meinen hals gehangen hat?
Sie knabberte an ihrem Stift und dachte daran worüber sie nachts mit dem Engel Ariel gesprochen hatte. Sie versuchte sich an so viel wie möglich zu erinnern, um es dann in ihr Tagebuch einzutragen:
die engel im himmel können niemals zerbrechen.sie haben nämlich keinen körper aus fleisch und blut von dem sich ihre seele trennen kann. so geht es in der schöpfung nicht zu. hier kann alles ganz leicht kaputtgehen. sogar ein berg wird langsam abgeschliffen und schliesslich zu erde und sand . alles in der natur ist wie ein lanfsamer brand . die ganze schöpfung scheint gewissernassen im moos zu schwelen . nicht immer begreift man voll und ganz was man erschaffen hat.ich kann zum beispiel etwas auf ein weisses blatt papier zeichnen . dass heisst aber nicht das ich verstehe was es für ein gefühl ist von mir gezeichnet worden zu sein. was ich zeichne ist nicht lebendig. und das ist doch gerade so seltsam:dass ich lebendig bin.
Als ihr nichts mehr einfiel legte Cecilie das Buch auf den Boden und schob es wieder unters Bett. Danach war sie wohl eingeschlafen ,denn als sie wach wurde hörte sie neben sich eine Stimme: *hast du gut geschlafen?* Es war Ariel. *ich war die ganze zeit hier* *aber ich habe dich nicht gesehen* Er zögerte ehe er antwortete. *ich habe vielleicht nicht erzählt dass es zwei verschiedene formen von engelsbesuch gibt.in der regel sitzten wir einfach nur bei euch, ohne uns zu erkennen zu geben.doch ganz selten offenbaren wir uns , so wir jetzt.* *aber beide male seid ihr als schutzengel hier?* *beide male ,ja* *ich begreife noch nicht ganz, wie du hier im zimmer sein kannst ohne dass ich dich sehen kann.* *das ist nicht so schwer zu erklären* *schiess los* *wenn du träumst dass du an einem fremden Strand bist, kannst du dann nicht einfach behaupten in gewisser hinsicht an diesem strand gewesen zu sein?* *irgendwie schon..?* *aber haben dich die menschen die an diesem strand waren gesehen?* *nein, natürlich nicht.* *du könntest auch mit tjaereborg-reisen hinfahren und am strand baden. dann würden die menschen dich sehen weil du dich offenbart hättest.* Sie blickte in die saphirblauen Augen hoch. *schlauer vergleich....und übrigens hast du mich wirklich nur mit knapper not ins bett geschafft, ehe mama aufgewacht ist* Ariel lachte. *ich finde es seltsam dir beim schlafen zuzusehen* *schlafen denn engel nie?* Er schüttelte den Kopf. *wir begreifen auch nicht,was schlaf bedeutet.verstehst du das?* *eigentlich nicht* *aber du hast doch sicher überlegt was in dem moment in deinem kopf vorgeht wenn du einschläfst?* Sie zuckte mit den Schultern. *ich bin einfach weg*
*ich begreife nicht woher du den mut nimmst* *wieso nicht?* *du kannst doch nicht wissen ob du wieder aufwachst.... kannst du nicht wenigstens versuchen mir zu beschreiben wie einschlafen geht?* Cecilie seufzte leise. *wenn wir einschlafen sind wir doch nicht wach.das heisst wir befinden uns im grenzland. deshalb weiss niemand genau wie einschlafen geht.* *unbegreiflich ,denn dazu muss doch im kopf eine kleine revolution passieren.!* *aber wenn sie geschieht sind wir schon eingeschlafen. der kopf ist ungefähr so wie eine maschine , die sich plötzlich selbst abschaltet.*
Der Engel breitete die Arme aus. *wir reden über das grösste mysterium * *das hast du schon oft gesagt* *ich meine nicht nur was den schlaf angeht.* *was denn?* Cecilie setzte sich im Bett auf und sah Ariel tief in die Augen. *ihr seid auf einem kleinen planeten im weltraum aus atomen und molekülen erschaffen worden. dort bekommt ihr haut und haare und fünf oder sechs sinne, die euch ermöglichen die welt um euch herum zu erleben.aber in dieser harten schale die aus etwas besteht das an gips oder kalkstein erinnert, habt ihr auch ein weiches gehirn das euch die fähigkeit verleiht zu schlafen und zu träumen, zu denken und euch zu erinnern*
Sie blickte zur Perlenkette hinüber die an dem Katzenkalender hing. *ich habe doch gesagt dass ich nicht gern über das spreche was in meinem körper ist.*,sagte sie. *wir müssen aber über die seele sprechen,cecilie. vielleicht steckt auch die im körper und trotzdem ist sie dann kein körperteil wie herz oder nieren* *dann sprich auch über die seele, und nicht über herz oder nieren* *das allerrätselhafteste ist das was ihr gedächtnis nennt. wenn dir in einer grossen stadt der lustige kellner begegnete der dich die ganze zeit an den haaren ziehen wollte, dann würdest du ihn sofort erkennen, selbst auf einem platz mit vielen hundert menschen.* *warst du etwa auch mit auf kreta?* Er nickte.
*ob du im wohnzimmer bist oder auf kreta bist, spielt für mich keine rolle. du würdest ihn wiedererkennen , nicht wahr?* *ich kann mich sehr gut an ihn erinnern* *was ist das für ein gefühl in deinem kopf , wenn du dich an etwas erinnerst?ws passiert mit den vielen atomen und molekülen in deinem gehirn? glaubst du sie hüpfen plötzlich los und gruppieren sich wie damals, als du das erlebt hast, was dir jetzt wieder einfällt?* Cecilie riss verblüfft den mund auf. *so hab ich mir das noch nie überlegt* *glaubst du dass sich die steine an einem kieselstrand erinnern können wie dieser strand vor zwei minuten ausgesehen hat?* *nein, niemand vergisst schneller als die steine an einem strand. steine können sich an überhaupt nichts erinnern* *aber die atome und moleküle in deinem kopf können sich an dinge erinnern, die vor vielen, vielen jahren passiert sind. obwohl seither haufenweise gedanken und erinnerungen über sie hinweggeschwappt sind.sind gedanken oder erinnerungen nicht so etwas wie muster aus kleinen steinen am strand des bewusstseins?* *grossmutter sagt , die seele ist göttlich* *offenbar hast du eine wirklich sehr kluge grossmutter* *sie kann sowohl die bibel als auch snorre fast auswendig* *genau, da haben wirs wieder* *was?* *dass sie etwas auswendig kann ,gehört mit zu dem grossen rätsel über das wir hier reden, hast di dir schon mal überlegt dass das menschliche gehirn der geheimnisvollste stoff im ganzen universum ist?* *eigentlich nicht..* *alle atome aus denen dein gehirn besteht sind irgendwann einmal in einem stern entstanden.aber dann haben sie sich auf eine seltsame weise zu etwas verbunden dass ihr bewusstsein nennt .die menschenseele flimmert also durch ein gehirn dass aus sehr feinem staub entstanden ist.die gedanken und gefühle laufen immer wieder über diesen feinen sternenstaub wo alle nevenenden auf immer neue weise miteinander verbunden werden können...* *dann habe ich vielleicht staub vom stern von bethlehem in meinem gehirn.* *und in deinen gedanken und erinnerungen*
Sie versuchte aus dem Fenster zu blicken während Ariel weitersprach. *es ist bestimmt ein seltsames gefühl ein lebendiges gehirn in einem weltraum zu sein.wie ein eigenes kleines universum in dem grossen universum draussen.denn in deinem gehirn gibt es so viele atome und moleküle wie es im weltraum sterne und planeten gibt.* Sie unterbrach ihn: *und vielleicht ist der weg in meine innersten gedanken wie der zu den äussersten sternen am rand des weltraums.* Er nickte. *der unterschied ist nur, dass ein gehirn sich seiner bewusst ist.es kann die ganze zeit seine tätigkeit bewerten. der weltraum kann das nicht ,sich erheben und sagen ich bin ich.dazu braucht der weltraum den menschen.*
Sie lächelte triumphierend. *das ist wirklich ein wichtiger unterschied.* *aber du hast noch nicht erklärt was es für ein gefühl ist sich an etwas zu erinnern*
stimmt ,das hatte ich vergessen* *das hatte ich vergessen,,vielleicht kannst du mir auch erklären was es für ein gefühl ist etwas zu vergessen.* *s ist einfach weg* *aber später kann es dann auch wieder auftauchen*
Ariel schwebte durchs Zimmer und fragt: *weisst du noch wie wir uns zum ersten mal begegnet sind?* Sie musste nachdenken. *du saßest auf der fensterbank , und....moment es liegt mir auf der zunge...du hast gefragt ob ich gut geschlafen habe* *gratuliere * *das war ja nicht schwer* Cecilie seufzte resigniert. *manchmal fällt mir eben plötzlich was ein* *woher genau fällt es dir ein?* *aus dem kopf* Ariel liess sich jetzt wirklich zeit.
*und wohin genau fällt es dir ein?* Sie musste lachen. *in den kopf* *aus dem kopf in den kopf .obwohl wir die ganze zeit von demselben kopf reden.aber nicht nur an das was ihr seht und hört erinnert ihr euch und vergeßt es dann wieder um euch dann wieder daran zu erinnern.das gehirn handelt auch auf eigene faust.das nennt ihr dann denken. da verschieben sich die vielen kleinen steine an dem grossen strand ganz ohne hilfe der wellen*
Wieder lachte Cecilie. *ich versuche mir das vorzustellen,und wenn sie nun einfach so durch die gegend hüpfen?* *auch ein gedanke den du gedacht hast-zum beispiel das ein weihnachtsstern verschwunden ist- kann eine zeitlang beiseite geschoben werden, dann aber wird er wieder ins bewusstsein gehoben. dann spulst du gewissermaßen dein bewusstsein zurück um gerade diesen gedanken noch einmal zu denken* *ich würde eher sagen dass so ein gedanke von selbst auftaucht. wir können nicht immer selbst bestimmen woran wir uns erinnern und was wir vergessen wollen. manchmal denken wir an dinge an die wir überhaupt nicht denken wollen,.ein anderes aml versprechen wir uns dann sagen wir dinge die wir eigentlich nicht hatten sagen wollen ,und das kann manchmal sehr peinlich sein.*
Der Engel Ariel saß auf der fensterbank und nickte. *dann ist es vielleicht so wie ich befürchtet habe* *wie denn?* *ihr habt nicht nur eine seele, so wie wir sondern zwei oder vielleicht ganz viele seelen.oder wie würdest du erklären dass ihr an dinge denkt an die ihr nicht denken wollt.?* *ich weiss es nicht* *diese unerwünschten gedanken können ja nicht von eurem bewusstsein gelenkt werden. das ist dann ja ein theater von dem ihr nicht die geringste ahnung habt, welches stück als nächstes auf dem spielplan steht* *meinst du die seele ist das theater und die schauspieler auf der bühne sind die gedanken die immer wieder auftauchen und verschiedene rollen spielen?* *so ungefähr, im theater des bewusstseins gibt es viele zimmer.und es muss auch viele verschiedene bühnen geben*
Ariel schwebte von der fensterbank ans fußende von cecilies bett.
*kannst du versuchen zu erklären was das in deinem kopf für ein gefühl ist ,wenn du an etwas denkst?* *ich spüre nichts* *aber kitzelt es denn nicht wenn du an einen witzigen gedanken denkst? tut es kein bisschen weh wenn du an etwas trauriges denkst?* *das passiert nicht im kopf ,es passiert in der seele.*
Ariel musterte sie mit seinem klaren energischen Saphirblick. *träumt ihr auch manchmal dass ihr fliegt oder durch geschlossene türen geht?* *sicher, im traum ist alles möglich,,auch wenn ich wach bin kann ich meine gedanken fliegen lassen.ob hier in haus, in fremden ländern oder auf dem mond.*
Ariel schwebte wieder durchs Zimmer..... *dann ist ja alles klar*,sagte er. Cecilie schüttelte verständnislos den Kopf. *ich kapier gar nichts mehr* Er zeigte auf die Stirn und sagte. *in gedanken könnt ihr alles tun was engel mit dem ganzen körper machen.wenn ihr träumt könnt ihr in euren köpfen genau das selbe machen wie die engel in der ganzen schöpfung* Sie war leicht verwirrt. *aber das ist noch nicht alles*,sagte ariel *wenn ihr träumt kann euch nichts passieren. dann seid ihr so unverwundbar wie die engel . dann ist alles was ihr erlebt pures bewusstsein, und ihr benutzt die fünf sinne eures körpers nicht*
Cecilie kam ein neur Gedanke.Sie richtete sich auf und sagte energisch: *dann ist unsere seele vielleicht unsterblich! dann ist sie vielleicht unsterblich wie die engel* Ariel wartete mit der Antwort *du verstehst jetzt besser wie es ist ein engel zu sein , obwohl wir vor allem darüber gesprochen haben wie es ist ein mensch aus fleisch und blut zu sein. der himmel spegelt sich in der erde wieder,* Sie machte noch einen versuch. *und die seele ist göttlich ,nicht wahr?* Als er keine Antwort gab , glaubte sie ihn am verschwinden hinder zu müssen.
*deine mutter kommt gerade die treppe herauf. deshalb muss ich ganz schnell durch den spiegel verschwinden* Sie blickte sich im Zimmer um. *von welchem spiegel redest du?* Er hatte den Stuhl verlassen und schwebte mitten im Zimmer. Seine umrisse wurden immer unschärfer. Ehe er verschwand sagte er: *die ganze schöpfung ist ein spiegel,cecilie. und die ganze welt ist ein dunkles wort.*
was??? was??? was??? was??? was??? ist Ariel jetzt weg? kommt er wieder ? eines sei euch verraten: Cecilie zieht sich an ,denn sie will mitten in der nacht ihre skier ausprobieren ....ob das gutgeht...
Viele tage verstrichen, ohne dass der Engel Ariel sich sehen liess. Aber immer sass irgendein familienmitglied auf dem stuhl vor dem Bett. kristine kam fast jeden Tag ,obwohl mutter und Grossmutter gelernt hatten die Spritzen zu setzen. Cecilie wusste nicht immer welcher Tag gerade war oder welche Tageszeit. Wenn sie es schaffte schrieb sie ab und zu neue Gedanken in das chinesische Tagebuch. Skier und Schlitten lehnten an der Wand zum Elternschlafzimmer. Der Winter bot noch immer gute Skiverhältnisse. Cecilie war fest entschlossen wieder gesund zu werden,ehe der Schnee verschwand. Den anderen gegenüber erwähnte sie Ariel nie. Er hatte mit der übrigen Familie nichts zu tun. Denn obwohl cecilie hier in Skotbu ein Mitglied der Familie war, war sie auch ein Mensch , der allein zwischen Himmel und Erde stand. Aber was war aus Ariel geworden? Er hatte doch versprochen noch mehr über die himmlischen Dinge zu erzählen.Und er hatte doch auch gesagt dass Engel nicht lügen. er hatte sie ja wohl nicht hereingelegt?!
Sie öffnete die Augen.Fast im selben Moment kam ihre Mutter ins Zimmer und setzte sich auf die Bettkante. Cecilie starrte sie mit leerem Blick an. "hast du wieder zwiebeln geschnitten?, fragte sie. Ihre Mutter schüttelte den Kopf. Trotzdem sagte Cecilie.: "ihr esst zuviele zwiebeln!" Cecilies Mutter fuhr ihr mit der Hand durch die Haare.
"es ist schon bald mitternacht, die anderen sind schon längst schlafen gegangen.ich versuche jetzt auch ein bisschen zu schlafen"
"du versuchst zu schlafen?"
"nein, nein ,ich nehme eine tablette"
"an sowas darfst du dich gar nicht erst gewöhnen"
"dazu besteht auch nicht die geringste gefahr." Cecilie blickte auf.
"ich wüsste zugern warum wir so erschaffen sind dass wir schlafen müssen"
"im schlaf ruhen wir uns aus. es gibt sogar leute die behaupten wir müssten auch träumen."
"warum" Ihre Mutter holte tief Luft und stiess sie laut hörbar wieder aus.
"ich weiss es nicht "
"aber ich glaube ich weiss selbst die antwort"
"so?"
"ich glaube wir müssen träumen weil wir uns wegträumen müssen"
"du machst dir ja seltsame gedanken, cecilie"
"vielen menschen geht es so schlecht ,dass sie vielleicht vor kummer sterben würden, wenn sie nicht ab und zu in all ihrem elend etwas lustiges träumen könnten."
Cecilies mutter wusch ihr Gesicht mit einem nassen Lappen und zog ihr ein frisches Nachthemd an .
"mach dir keine sorgen dass ich so schlapp bin. ich glaube ich bin trotzdem schon etwas gesünder"
"ja, vielleicht.."
"meint kristine das nicht auch?" Ihre Mutter wich aus.
"sie sagt wir müssen abwarten"
"vielleicht kann ich morgen ein bisschen aufstehen.zum kaffee zum beispiel...."
"das können wir morgen noch entscheiden"
"aber ich will bald die neuen skier ausprobieren, das hast du versprochen"
"Die stehen ja bereit, und du kannst jederzeit klingeln. auch wenn nur jemand bei dir sitzen und mit dir reden soll. papa kommt bald und setzt sich zu dir"
"das braucht er doch nicht"
"aber wir möchten es gerne"
"du darst nur nicht erschrecken wenn ich selbstgespräche führe"
"machst du das denn manchmal?"
"ich weiss nicht"
Ihre Mutter legte die Arme um sie und drückte sie an sich. "du bist die allerfeinste kleine auf der ganzen welt",sagte sie. "ohne dich wäre die welt öd und leer."
Cecilie lächelte. "das war ja ein feierlicher gute -nacht-gruss"
Sie schlief fast im selben moment ein, in dem ihre Mutter das Zimmer verliess. Nach einer Weile wurde sie davon wach daß etwas gegen die Fensterscheibe klopfte.Sie öffnete die augen und sah hinter dem Fenster Ariels Gesicht. Er winkte mit einer Hand dann schwebte er durch das Fenster und stand vor dem Schreibtisch auf dem Boden. Die Fensterscheibe war unversehrt.
Cecilie machte grosse Augen . *wir haben zwar soviel darüber geredet , aber ich habe noch immer nicht kapiert wie du das machst* Ariel setzte sich auf den Stuhl . *das ist nicht so wichtig , und deshalb brauchen wir nicht darüber zu reden* Cecilie setzte sich im Bett auf und streckte auf der decke ein bein aus. *wo hast du denn die ganze zeit gesteckt *,fragte sie. *du hattest doch auch so genug besuch*, erwiderte er. Cecilie nickte. *warst du deshalb so lange nicht hier?* Ariel beantwortete die Frage nicht.
*es ist fast schon vollmond*, sagte er.*draussen ist eine art vierteltag, wenn das mondlicht über die schneebedeckte landschaft flutet.* *herrlich, ich würde so gern den mond draussen mit eigenen augen sehen.* *kannst du das denn nicht?* *ich bin schon viel gesünder...* *spitze, wurde auch scon langsam langweilig dass du immer nur so schwach warst.* *darf ich denn?* *deine eltern erlauben es dir natürlich nicht mitten in der nacht draussen herumzugehen.* *aber du erlaubst es mir?* Er nickte geheimnisvoll. Cecilie hatte schon die Decke beiseite geworfen. *wenn die engel es erlauben spelt es kein erolle was die anderen sagen. ausserdem schläft das ganze haus.* *also gut , machen wir einen kleinen ausflug, aber du musst dich warm anziehen.* Cecilie stand aus ihrem Bett auf. Sie stand ganz sicher auf dem Boden, ihr war kein bisschen schwindlig.
*ich will die neuen skier ausprobieren *,sagte sie.
Bald saß sie auf der Bettkante und schnürte die neuen skistiefel zu. Als sie fertig war sah sie zu Ariel hoch. *würdest du bitte die skier für mich tragen?* Sie schlichen sich die Treppen hinunter ins Erdgeschoss. Cecilie schloss die Haustür auf und liess Ariel mit den Skier vorbei. Dann ging auch sie hinaus und machte die haustür vorsichtig hinter sich zu. Sie gingen an der Scheune vorbei . Hier zog sich ein steiler Abhang zum Fluss und zu dem grossen Tannenwld hinunter. Cecilie trat mit ihren Skistiefeln in die Bindungen und streifte sich die Schlaufen der Stöcke über die Handgelenke. Das Mondlicht zeichnete scharfe Schatten in den Schnee.
*ich versuche mal den hang herunterzufahren*,sagte sie. *du musst hinterherkommen, auf die gelegenheit habe ich schon so lange gewartet.* Schon fuhr sie los.Aber der Engel Ariel lief ihr nicht hinterher, er schwebte dicht neben ihr in der Luft. *es ist herrlich*,rief cecilie.*einfach engelhaft* Als sie unten angekommen waren fiel cecilie im lockeren schnee auf die Nase, und sie lachten beide. Sie rappelte sich auf und zeigte auf den Tannenwald.
*zum ravnekollen führt eine gute loipe hinauf. von oben hat man einen herrlichen ausblick auf das ganze tal.* Einen moment schien er sie prüfend zu mustern, aber es dauerte wirklich nur einen moment. *schaffst du die ganze strecke?* Sie war schon unterwegs. *im moment komme ich mir bärenstark vor*, jubelte sie. Sie erreichte die tiefe loipenspur ,ariel flog um sie herum, mal links mal rechts .. Am letzten hang unterhalb des Ravnekollengipfels musste cecilie auf Grätenschritt wechseln um nicht auszurutschen. Bald standen sie oben auf der Hügelkuppe. Cecilie hob den Skistock und zeigte auf die gefrorene Landschaft.
*als ich klein war hab ich das hier für das dach der welt gehalten.* sagte sie. *und wenn grossmutter von Odin erzählte der in seinem Hochsitz sass und von dort die Welt im Blick hatte, hab ich mir vorgestellt, daß es hier war.* Ariel nickte. *hugin und munin . gedanke und sinn.* *das hat grossmutter auch immer gesagt .* *cecilie, du weisst vielleicht noch wie wir über das innere auge gesprochen haben , das alle menschen haben.auch das besteht aus sinn und gedanke . hugin und munin waren also odins inneres auge.* Cecilie riss die Augen auf. Warum war sie nicht schon selbst auf den Gedanken gekommen?
Ariel blickte cecilie in die Augen. Seine Saphirblauen Augen glänzten im mondlicht. *wenn du jetzt da unten an deinem fenster stehen und zum ravnekollen hochblicken würdest , könntest du uns hier oben sehen. dann könnten wir dir vielleicht zuwinken.* Cecilie schlug sich die Hand vor den Mund,das klang wirklich ziemlich geheimnisvoll. Sie sagte : *ich habe nie begreifen können wie der mond so viel licht verströmen kann* *das liegt daran dass alles andere ganz dunkel ist.wenn licht durch dunkelheit leuchtet geht unterwegs kein einziger strahl verloren.* *wie seltsam das klingt, alles was du sagst hört sich so feierlich an dass es mir kalt den rücken runterläuft* *erzählst du mir jetzt vom himmel?* *ich bin ja dabei* Er zeigte zum Himmel hinauf.der mond war so hell daß sich nur wenige Sterne als blasse Tupfer daneben abzeichneten. *zuallererst musst du begreifen dass du schon im himmel bist* *das hier ist der himmel?* *wo sollen wir denn sonst sein, die erde ist nur ein kleiner fussel im gewaltigen himmelsraum * *so habe ich es noch nie überlegt* *gehimnisvoll *, sagte sie ,*sehr geheimnisvoll* Als sie wieser hochblickte sah Ariel sie herausfordernd an. *das finde ich nun wirklich sehr einfach* Cecilie schüttelte verzweifelt den kopf. *ich habe mich immer gefragt wo der himmel eigentlich ist, bisher hat kein raumfahrer auch nur eine spur von gott oder den engeln gesehen*
*und kein gehirnchirurg hat auch nur die spur eines gedanken gesehen.kein traumforscher hat sich den traum eines anderen ansehen können. das heisst aber nicht dass es in den köpfen der menchen keine gedanken oder träume gibt.* *natürlich nicht.*
und niemand an dem langen strand konnte dich sehen, als du dich dorthin geträumt hast* *meinst du ,draussen im universum gibt es viele engel?* *oh ja, weil wir engel werder frieren noch uns verbrennen können wir uns auf absolut allen himmelskörpern aufhalten. aber nur hier auf der erde ist es für menschen ungefähr warm oder kalt genug.an allen annderen orten wäre es zu warm oder zu kalt.wenn die welt nur ein wenig näher zur sonne hin läga wäre das leben fütr menschenfleisch und menschenblut hier unerträglich.und wenn die erde näher zum pluto hin läge würdet ihr im nu zu eisstatuen gefrieren.* *warst du schon mal auf dem mond?*,fragte sie. *da tanze ich* *auf dem mond?* Er nickte.
*Es war ziemlich lustig als die menschen gelandet sind. weder armstrong noch die anderen haben bemerkt dass wir da sind.sie dachten sie seien völlig allein, und sie waren so stolz denn sie hielten sich für die ersten besucher auf dem mond.* Cecilie fühlte sich als die vertreterin der Menschheit etwas verärgert dass die Engel die ersten Raumfahrer ausspioniert hatten, die sich allein auf dem mond wähnten.
Ariel lachte. *aber du hast vielleicht noch nie von asteroiden gehört?* Cecilie fteute sich. Auf dem Gebiet kannte sie sich nämlich aus. Sie hatte mehr über den Weltraum gelesen als die meisten anderen in ihrem Alter. Schliesslich hatte sie sich während ihrer Krankheit durch einen dicken Stapel "illustrierte Wissenschaft" durchgewühlt.*doch sicher*, antwortete sie. *das sind winzige planeten die sich um die sonne drehen. aber das sind so viele und sie sind so klein dass sie keine namen bekommen haben,viele haben einfach nur nummern*
Ariel klatschte in die Hände. *bravo, du weisst also mehr über die himmlische herrlichkeit als du gedacht hättest.wenn ich ganz allein sein will dann setze ich mich gern auf einen kleinen asteroiden. manchmal springe ich von asteroid zu asteroid .* *ich glaube du lügst* Sie blickte in die blaugrünen Saphiraugen schlug den Blick aber gleich wieder nieder , weil sie eine dermaßen schlimme Anklage vorgebracht hatte. *pech gehabt *,sagte Ariel.*engel lügen nicht,also glaubst du nicht dass ich einer bin * *erzähl weiter *,meinte cecilie mürrisch. Er sagte: *am lustigsten finde ich jedoch auf einem kometen zu sitzen. zum beispiel auf dem halleyschen, ja.der kreist in 76 jahren einmal um die sonne.aber seine bahn zieht sich weit durch den weltraum , dass er rsaend schnelll ist.der unterschied ist nur dass du nicht wieder nach oben zu kletter brauchst wenn du nochmal rutschen willst.*
Cecilie schüttelte den Kopf. *so was, das würde ich auch gern mal machen, ich wusste gar nicht dass engel so verspielt sind.* *es bringt nichts einen grossen wohnraum mit milliarden von sternen und planeten , monden und asteroiden zu haben wenn es keine engel die die ganze herrlichkeit ausnutzen können.* Cecilie hatte noch immer ein paar Probleme. *stimmt schon, hört sich tiemlich vernünftig an. aber von allem was du gesagt hast , hören wir im religionsunterricht nicht den leisesten mucks.* Darauf ging Ariel nicht ein. Er sagte lieber etwas anderes.
*es gibt an die hundert milliarden galaxien im himmelsraum, und in jeder galaxis finden wir an die hundert milliarden sonnen . da kannst du dir ja denken wieviele planeten und monde es gibt.-von den asteroiden ganz zu schweigen. auch wenn es sehr viele engel gibt, können wir nicht behaupten wir hätten zu wenig tummelplatz. und über zu wenig zeit können wir uns ja auch nicht beklagen.*
*und wir halten das universum zusammen,cecilie* *ich würde auch gern zwischen asteroiden hin und her springen. ich würde auch gern auf dem mond tanzen,oder mich an einen lustigen kometen klammern der durch das weltall saust. denn das ist alles im himmel sagst du?* *ja?* *viele menschen glauben dass wir nach dem tod in den himmel kommen.stimmt das?* Ariel seufzte. *ihr seid jetzt im himmel.hier und in diesem moment.* *du hast meine frage nicht beantwortet* *ihr kommt und geht,geht eurer wege und kommt .das machen auch die sterne und die planeten* *du erzählst mir immer wieder dass die menschen aus fleisch und blut sind. aber was aus fleisch und blut ist kann kein ewiges leben haben ,hast du gesagt.das finde ich sehr traurig denn auch ich würde gern ein paar tausend jahre zwischen den asteroiden spielen und dann zwei millionen jahre lang ferien auf einem exotischen planeten in einer fernen galaxis machen. deshalb will ich jetzt unbedingt wissen ob wir ein ewiges leben haben.* Sie schlug sich die Hand vor den Mund. woher waren ihr bloss all die worte gekommen? Ariel sagte: *niemand hat ewiges"leben", die engel sowieso nicht. die engel spüren nichts , die engel "leben "nicht.* *ich finde es ziemlich blöde wenn ihr jammert dass ihr nicht lebt während ihr in alle ewigkeit zwischen sternen und planeten umherfliegt* *wie du im schlaf anfernen stränden herumfliegst *,erwiderte Ariel. *stell dir vor dein ganzes leben wäre ein traum* Cecilie zuckte mit den Schultern. *wen der traum in alle ewigkeit weitergehn würde und dabei einigermassen lustig wäre, hätte ich lieber den traum als das leben.was würdest du vorziehen? wenige jahre menschenleben oder ein engelleben in alle ewigkeit?* *es ist besser einmal in den himmel gesehen zu haben als überhaupt nichts zu erleben.wer noch nicht erschaffen ist hat auch keinen anspruch darauf erschaffen zu werden* Cecilie dachte über Ariels worte nach.
Schliesslich sagte sie.: *aber vielleicht würden sie lieber nicht erschaffen werden als nur für kurze zeit zu leben.wenn sie nicht erschaffen würden wüssten sie ja nicht was sie versäumen* Ariel antwortete nicht darauf .Plötzlich jagte er in die Luft und spähte zum haus hinüber. *es ist gleich drei uhr , wir müssen uns beeilen,sie werden gleich wach.* cecilie sauste den hügel hinunter. Neben ihr flog Ariel.Daß die Bäume dicht beieinander standen spielte keine rolle, denn Cecilie konnte in der Loipe aufrecht stehen. Bald wanderten sie den Hang zur Scheune hinauf. Ariel zupfte cecilie an der Kapuze. *den rest schaffen wir nicht mehr zu fuss* *wirklich nicht?* Aber Ariel hatte keine Zeit mehr zu antworten.Er packte Cecilie am Anorak und zog sie in die Luft. Einen moment später flogen sie durch das geschlossene Fenster und standen mitten in Cecilies Zimmer.
Die Fensterscheibe war unversehrt ,Cecilie auch. Aber sie hatte noch immer die Skier an den Füssen. Schmelzwasser sickerte über den Boden. *was sie wohl sagen werden*,flüsterte sie und zeigte beschämt auf Skier und Fussboden. *ich mach das schon *, sagte Ariel. Cecilie schnallte die Skier ab ,riss sich die Kleider vom Leib , streifte ihr Nachthemd über und kroch ins Bett. Sie sah zu Wie der Engel in einem Irrsinnstempo ihre Kleider zusammenfaltete und zurück in den Schrank legte. Er lehnte Skier und Stöcke an die Wand. Dann hauchte er Skier und Boden zweimal an,sofort waren Wasser und Schneematsch verschwunden . Nichts konnte noch verraten ,daß Cecilie einen Ausflug im Mondschein gemacht hatte. *spitze*, sagte cecilie und schlief sofort ein.
Als sie die Augen aufschlug saß ihr Vater auf dem Stuhl vor ihrem Bett.
"wie spät ist es ",fragte sie. "sieben" "sitzt du schon lange hier?" "nur ein paar stunden" Erst jetzt fiel ihr die nächtliche Skitour wieder ein.Sie sah sich im Zimmer um.Nichts wies darauf hin dass sie ihre Skier benutzt haben könnte. Vielleicht war es ja gar nicht letzte Nacht passiert.Vielleicht waren ja seither viele Tage vergangen von denen cecilie nichts wusste. Sie fühlte sich schlapper denn je. Ob die Skitour mit Ariel daran schuld war?
"ich fühle mich überhaupt nicht wohl ",sagte sie. Cecilies Vater nahm ihre Hand . "es geht dir ja auch nicht so gut " "welches datum haben wir heute?" "den 22.januar" "fast ein monat seit heiligabend " Er nickte. "bald kommt mama mit der Spritze" "mit der spritze......" " ja sie ist gerade im badezimmer" "ich habe das alles verdammt satt" Er drückte ihre Hand. "das ist doch klar",sagte er nur. Sie versuchte zu ihm hochzublicken. "wenn ich soweit bin dann will ich astronomie studieren" "das...das ist bestimmt sehr spannend" "jemand muss endlich alles herausfinden" "wovon redest du?* "ich bin doch krank ,papa..." "das stimmt" "aber ihr anderen seid diejenigen die nicht mehr mitkommen. ich meine jemand muss doch herausfinden wie alles zusammenhängt.so kann das doch nicht weitergehen." "die wissenschaft macht immer neue fortschritte ...."
"glaubst du an engel?" "warum willst du das wissen?" "glaubst du an gott?" Er nickte. "du doch sicher auch,oder?" "ich weiss nicht....wenn er bloss doof wäre. hast du gewusst dass er auf ungefähr jeden asteroiden einen engel gesetzt hat.?wenn sie wollen können sie sich da bis in alle ewigkeit amüsieren.sie brauchen sich nicht mal die zähne zu putzen oder die nägel zu schneiden.andere engel sitzen auf grossen kometen die im affenzahn um die sonne jagen.und sie blicken zur erde hinunter und wüssten zu gern was das für ein gefühl ist ein mensch aus fleisch und blut zu sein......." "ich glaube jetzt phantasierest du, wir können nicht allles verstehen ,cecilie" "das hab ich schon öfter gehört...wir begreifen nur stückweise wir sehen alles in einem spiegel , in einem dunklen wort"
"ja das sind weise worte" Cecilie blickte mit resigniertem gesicht zu ihm hoch. Danach schwiegen sie lange.Cecilie hätte gern noch mehr gesagt ,wusste aber nicht ob sie es über sich bringen würde. Irgendwie hoffte sie ihr vater würde die worte aus ihrem kopf ziehen können,ohne daß sie den mund aufmachen musste.
Sie fragte: "weisst du noch wie wir nach kreta geflogen sind?" Er versuchte zu lächeln. "wie sollte ich das wohl vergessen?" "ich meine ob du dich an den flug erinnern kannst" Er nickte. "ich habe aus dem fenster geschaut, hinunter auf die erde." "wenn wir geboren werden wird uns eine ganze welt geschenkt", sagte cecilie. Ihr Vater nickte. Es schien ihm nicht zu gefallen dass sie soviel zu sagen hatte. "aber nicht nur wir kommen zur welt, du kannst genauso gut sagen dass die welt zu uns kommt" "das ist doch fast dasselbe" "ich habe das gefühl dass mir die ganze welt gehört,papa."
Er nahm jetzt auch ihre andere Hand. "in gewisser hinsicht stimmt das auch"
"nicht nur unser haus...der ravnekollen...und der fluss dort unten mir gehört auch ein bisschen von der ebene von lasithi auf kreta, ....und die ganze insel santorini . es ist nicht anders als wenn ich einmal in der alten burg auf knossos gewohnt hätte. mir gehören sonne und mond und alle sterne am himmel . denn ich habe alles gesehen.."
cecilies Vater griff zur glocke auf dem nachttisch und klingelte. warum er das nur machte? er wa rdoch hoffentlich nicht auch krank geworden? sie sagte:
"das kann mir niemand mehr wegnehmen . es wird immer meine welt sein,. in alle ewigkeit wird es meine welt sein.2
jetzt kam ihre mutter ins zimmer,vater sprang auf und stürzte hinaus.er saß schon so lange bei cecilie daß er wohl dringend aufs klo musste. "cecilie?" Sie drehte sich mit einem schrecklich vorwurfsvollen blick zu ihrer mutter um.
"Cecilie!" "kannst du mir nicht einfach bloss die spritze geben,mama? wir brauchen doch keine langen reden zu halten.2 Sie bekam ihre spritze danach war sie wahrscheinlich eingenickt denn als sie das nächste mal wach wurde , saß Ariel auf dem Stuhl vor ihrem bett. Cecilie fühlte sich viel wohler als vorhin. vielleicht machte sie das zusammensein mit dem engel gesund.
*hast du gut geschlafen ?*,fragte er. Sie erhob sich und setzte sich auf die bettkante,blickte zum fenster hinüber und sah daß es draussen hell war.
*tag*,sagte sie,*manchmal komm ich ganz durcheinander.* Ariel nickte geheimnisvoll. *der erdball dreht und dreht sich eben, so können wir engel das ganze theater verfolgen egal ob sich die szene auf kreta oder in klofta ereignet.* *das himmlische theater?* Er nickte. *der erdball,cecilie.das leben der menschen auf der erde ist wie endloses theaterstück .ihr kommt und geht....* Cecilie saß einige sekunden bewegungslos auf der bettkante. dann sagte sie.: *also ich finde das stinkt, wenn das stimmt wäre alles ungeheuer ungerecht* Ariel sah ein wenig betroffen aus. *dann reden mwir eben nicht mehr darüber*,sagte er. *ich glaube ich will überhaupt nicht mehr reden* *du bist verbittert,cecilie* *na und?* *deshalb bin ich ja hier* Sie starrte den fussboden an. *ich verstehe einfach nicht warum die welt nicht ein bisschen anders erschaffen werden konnte.* *darüber haben wir doch schon gesprochen,das ist ja gerade das spannende:du weisst nicht genau was herauskommt. dir fehlt die allmacht über deine zeichnung* Cecilie sagte nichts darauf.erst nach einer ganzen weile meinte sie: *wenn ich etwas zeichnen müsste und wüsste das was ich zeichne wird nachher lebendig sein ,würde ich nicht einen einzigen strich machen.ichwürde nie wagen etwas leben zu geben das sich nicht gegen alle möglichen eifrigen buntstifte wehren kann.*
*aber trotzdem würden deine figuren alles nur stückweise verstehen. sie würden es nicht von angesicht zu angesicht sehen.* Sie seufzte tief. *die ganzen mysterien gehen mir langsam auf die nerven* *schade, das war wirklich nicht meine absicht* *irgendein dussel hat gesagt es ginge vor allem um sein oder nichtsein.und ich glaube immer mehr dass er echt hat aber du hast ja gesagt dass das mit den geschlechtern und so in der geistigen welt nicht wichtig ist....*
*sein oder nicht sein ,gut gesagt denn ein dazwischen gibt es nicht* *ich meine daß wir nur dieses eine mal auf der erde sind und dass wir niemals zurückkehren werden!!* *ich weiß dass du sehr krank bist ,cecilie....* Sie fiel ihm ins wort: *aber du darfst nicht fragen was mir fehlt.das darf niemand, nicht einmal die engel.* *ich wollte nur sagen dass ich gekommen bin um dich zu trösten* Sie schnaubte. *trösten, du meine güte* Ariel schwebte durchs zimmer. *wenn ich alt werde und am ende sterbe werde ich bestimmt wieder ein kind,und auf die weise lebe ich dann im himmel weiter,genau wie ihr ..wir werden alle so eine art odinsraben. das ist eigentlich gar nicht schlecht....* *glaubst du das ?* *glaubst du das ,glaubst du das...DU musst das doch wissen* Er wiegte sich vor dem Bett in der Luft und warf einen leichten Schatten über die alte perlenkette und dem katzenkalender .
*nichts da*,sagte er energisch,*die schöpfung ist ein so grosses mysterium dass selbst engel nicht alles erfassen können,
Ariel schwebte etwas näher an sie heran. Er schaute ihr mit seinem saphirblauen Blick in die augen und sagte: *wir sehen alles in einem spiegel.du hast durch das glas einen blick auf die andere seite tun dürfen .ich kann den spiegel nicht ganz sauber putzen.dann würdest du vielleicht etwas mehr sehen ,aber du könntest dich nicht mehr selbst erkennen.*
Verwundert starrte sie ihn an. *was für ein tiefer gedanke*,sagte sie. Er nickte. *aber noch tiefer können wir nicht in fleisch und blut vordringen. denn fleisch und blut sind ein seichtes fahrwasser.ich kann die ganze zeit sand und steine auf dem boden sehen.*
*ehrlich?* Er nickte. *fleisch und blut sind doch auch nur aus erde und wasser aber die schöpfung hat euch etwas von ihrem geist eingehaucht* *ich weiss nicht was ich sagen soll* *du könntest dir selbst gratulieren* *aber ich habe doch gar nicht geburtstag* Er schüttelte den Kopf. *du könntest dir selbst gratulieren weil du ein mensch bist. der an einer wundersamen reise um eine brennende sonne teilnehmen durfte und dabei durftest du ein stück weit ewigkeit erleben.du hast ins universum geschaut,cecilie. und auf diese weise konntest du von dem papier aufblicken, auf das du gezeichnet wurdest .auf diese weise konntest du deine eigene majestät im grossen himmelsspiegel sehen.****
Ariel hörte sich so feierlich an dass es cecilie fast schon angst machte.
*ich glaube du darfst jetzt nicht mehr weiterreden, ich fürchte ich halte das nicht länger aus.* *eines noch, sagte er. Er starrte ihr mit einem blick in die augen der klarer und tiefer als die ägäis war. *alle sterne fallen irgendwann einmal,aber ein stern ist doch nur ein funke des grossen feuers am himmel....* Dann war er verschwunden.
Fast gleichzeitig war sie eingeschlafen. als sie erwachte saßen ihre eltern und ihre grossmutter an ihrem bett. "da seid ihr ja alle" alle drei nickten .mama feuchtete cecilies lippen mit einem tuch an. "wo steckt lasse?" "der ist mit grossvater draussen,schlittschuh laufen." "ich möchte mit oma reden." "sollen papa und ich rausgehen?" Cecilie nickte. Die eltern gingen raus. oma nahm cecilies Hände . "weisst du noch wie du über odin erzählt hast?" "natürlich" "ich wünschte ich hätte zwei solcher raben.oder wenigstens wär ich gern einer von ihnen." großmutter drückte cecilies hände ein bisschen fester. "ich vergesse so langsam was du mir alles erzählt hast" "ich finde du weisst das noch sehr gut" "unter meinem bett liegt ein notizbuch",sagte cecilie. "holst du es mal hervor?" Großmutter ließ ihre hand los ,bückte sich und hob das buch mit dem stift auf. "kannst du etwas für mich aufschreiben?" Jetzt ließ grossmutter auch cecilies andere hand los. Cecilie diktierte: ""wir sehen alles in einem spigel durch ein dunkles wort. manchmal können wir durch den spiegel schauen und ein wenig von dem entdecken was sich auf der anderen seite befindet.aber wenn wir den spiegel ganz sauber wischten würden wir viel mehr sehen. nur,könnten wir uns dann nicht mehr selbst erkennen.....""
Grossmutter blickte vom buch auf. ""war das ein tiefer gedanke?"",fragte cecilie. Grossmutter nickte, dann liefen ihr tränen über die wange. ""weinst du?"",fragte cecilie ""ja, jetzt weine ich,mein kind"" ""weil es so schön ist oder so traurig?"" ""beides"" ""das war aber noch nicht alles"" ""sprich nur wieter""
""wenn ich etwas zeichnen wollte und wüsste daß meine zeichnung lebendig würde würde ich es nicht wagen auch nur einen einzigen strich zu ziehen.ich würde nie wagen etwas leben zu geben daß sich nicht gegen alle möglichen,eifrigen buntstifte wehren könnte....""
Es wurde ganz still im schlafzimmer .auch im übrigen haus herrschte stille . ""was meinst du...?"",fragte cecilie ""sehr schön..."" ""schreibst du noch weiter?"" Wieder weinte großmutter.dann nickte sie.
""schöpfung und himmel sind ein so grosses mysterium, das weder die menschen auf der erde ,noch die engel im himmel ganz erfassen können.aber etwas im himmelsraum stimmt nicht. mit der ganzen grossen zeichnung scheint etwas schiefgegangen zu sein"" Sie blickte auf : ""jetzt kommt nur noch ganz wenig."" wieder nickte großmutter,und cecilie sagte: ""alle sterne fallen irgendwann einmal, aber ein stern ist doch nur ein kleiner funke des grossen feuers am himmel""